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Die Hähnchenblase

Konkurrenzkampf führt zu Überkapazitäten und Preisdruck

Zwischen den europäischen Geflügelfleisch-Konzernen ist seit kurzem ein heftiger Konkurrenzkampf ausgebrochen, der derzeit zum Aufbau gewaltiger Überkapazitäten führt und bald in einem dramatischen Zusammenbruch der Märkte enden wird. Offenbar bildet sich neben der internationale Spekulationsblase nun auch eine „Hähnchenblase“.

Oligopol und Sättigung

Als in den letzten Jahrzehnten der Verbrauch von Geflügelfleisch kontinuierlich stieg , besetzten große Konzerne mit ihren Brütereien, Futtermühlen und Schlachtereien diesen Markt und diktierten ihren abhängigen Vertragsmästern die Preise und Produktions-Bedingungen. Lange Zeit konnten diese Geflügelkonzerne oligopolistisch nebeneinander her wachsen und expandieren - solange Verbrauch und Absatzmärkte wuchsen. Führende Unternehmen in Europa sind die französischen Firmean Doux, LDC, Gastronome und Unicopa, die italienischen Firmen AIA und Amadori , die britischen Firmen Grampian Country Foods und 2-Sisters, die holländischen Firmen Plukon und Storteboom sowie die deutsche Wesjohann-Gruppe. Seit etwa 10 Jahren jedoch ist die Sättigungsgrenze erreicht - die Nachfrage steigt in der EU und auch in Deutschland nur noch wenig. Der Verdrängungswettbewerb nimmt heftige Formen an. In der deutschen Putenbranche dominiert nach etlichen Übernahmen und Fusionen und der neuerlichen Übernahme von Velisco eindeutig die Kalvelage-Gruppe (Heidemark“). Im Masthühner-Bereich wird die Konkurrenz zwischen den bisherigen Akteuren Wesjohann („Wiesenhof“), Stolle und Sprehe seit einigen Jahren drastisch angeheizt durch den Neueinsteiger Rothkötter („Emsland-Frischgeflügel“), der nun zu einer weiteren Expansion mit einem Mega-Schlachthof in Wietze bei Celle ansetzt und dafür in einem 100-km-Umkreis insgesamt 450 neue Mäster anwerben will. Wollen die konkurrierenden Hähnchenkonzerne nicht weitere Verluste von Marktanteilen hinnehmen, müssen sie ihrerseits expandieren und tun dies auch: Wesjohann und Stolle bspw. mit der Erweiterung ihrer Schlachthöfe.

Überschüsse und Übernahmen.

Die Folge: dramatisch anwachsende Überkapazitäten von Schlachtereien und Stallanlagen. Obwohl der schwach wachsende Verbrauch nur Raum gibt für maximal 80 zusätzliche Ställe pro Jahr, werden derzeit bis zum nächsten Jahr ca. 900 Ställe geplant und beantragt, darunter zahlreiche 400.000er-Ställe in Ostdeutschland! Zudem will nun auch die niederländische Plukon-Geflügelgruppe („Friki“) zusätzliche Mast- und Brüterei Kapazitäten im Raum Klein Daberkow und Woldegk aufbauen und ihre Schlachtungen im brandenburgischen Storkow bis 2012 verdoppeln. Plukon, drittgrößter Geflügelschlachter Europas, ist kürzlich vom internationalen Finanzinvestor Gilde-Buy-Out übernommen worden.

Die Krisenanzeichen sind unübersehbar: Die anhaltend sinkenden Hähnchen-Erzeugerpreise in Holland und auch in Deutschland decken kaum noch die Kosten, der auch im vorpommerschen Grimmen aktive französische Doux-Konzern (Gutsgold“) schrieb 2009 laut Lebensmittelzeitung bereits rote Zahlen, der Genossenschaftskonzern Cebeco verkaufte seine Geflügel-Tochterfirma Plukon und erzielte dabei nur noch einen „moderaten Preis“, der französische Genossenschafts-Konzern Unigrains und der niederländische Cehave-Konzern stießen jetzt ebenfalls
ihre Geflügelsparten ab, der holländische Geflügelkonzern Storteboom verkaufte an die britische "2-Sisters“-Holding. Die Weltmarkt-Exporte von Geflügelfleisch treffen trotz seiner Subventionierung auf immer massivere Schwierigkeiten, u. a. wegen der billigeren Konkurrenz-Angebote von großen Konzernen aus Brasilien und den USA.


Rothkötter-Krise und Widerstand


Angesichts dieser bedrohlichen Vorzeichen wächst in der Geflügelbranche die Verärgerung der bestehenden Schlachtereien über die Förderung der Schlachthof-Pläne des Unternehmens Rothkötter durch die niedersächsische Landesregierung. Branchen-Insider berichteten, dass namhafte Vertreter der Branche kürzlich ihren Unmut in drastischer Form gegenüber Agrarminister Ehlen und vermutlich auch gegenüber seiner Nachfolgerin Grotelüschen, die ja aus der Geflügel-Agrarindustrie stammt, deutlich gemacht hätten. Unterdes bestätigte ein Redakteur des Weserkurier der AbL gegenüber nochmals die Äußerung Rothkötters in einem Artikel, wonach der Baubeginn seines Wietzer Schlachthofs womöglich vom Frühjahr 2011 um ein Jahr verschoben werden könnte. Rothkötter hatte diese Äußerung später dementiert, aber gegenüber anderen Journalisten einräumen müssen, dass er die für die erste Ausbaustufe benötigten 120 Vertragsmäster im Umkreis von Wietze nicht habe anwerben können. Dies führt die AgrarZeitung auf den anhaltenden Widerstand von mehr als 20 Bürgerinitiativen in diesem Raum zurück. Angeblich soll Rothkötter nur noch mit 50 Landwirten recht vage „im Gespräch“ sein, so dass die Kapazitäten in Wietze dann allenfalls durch „Hähnchen-Importe“ aus dem Emsland oder durch Stallbauten emsländischer Investoren in Ost- und Südniedersachsen auszulasten wären. Letzteres wiederum würde auf heftigste Proteste der hiesigen Landwirte stoßen. Erste Anfragen aus dem Emsland gebe es bereits. Die AbL rief Landwirtschaftskammer und Bauernverband/Landvolk auf, die mit den Geflügelkonzernen durchgeführten Anwerbeveranstaltungen für Vertragsmäster sofort zu stoppen. Agrarindustrielle Anlagen mit ihrer nicht artgerechten Tierhaltung isolierten die Landwirte von der Gesellschaft, schafften tiefe Gräben zu den geschädigten Nachbarn in den Dörfern und schadeten dem Image ganzer Regionen. Angesichts zunehmender Exportprobleme und des kaum noch ansteigenden Geflügelverbrauchs seien auch „unseriöse Jubelmeldungen“ über den Geflügelmarkt „völlig neben der Realität“. Die AbL forderte die Politik auf, sich für ein Verbot von Agrarfabriken, bessere Nutztierhaltungs-Verordnungen und die Förderung der Zukunftsmärkte einer „artgerechten Tierhaltung auf Bauernhöfen und in lebendigen Regionen“ einzusetzen.
Bi-Wietze

Öffentlichkeit und Politik getäuscht ?

Die am 10.02.2010 amtlich veröffentlichten Schlachtzahlen schaffen nun Klarheit:

27.000 Tiere in einer Stunde

432.000 Tiere am Tag

2.592.000 Tiere in der Woche

134.784.000 Tiere im Jahr.

Bedeutet das auch: Statt der 250 - 500 Arbeitsplätze jetzt wieder 1000 Arbeitsplätze für Wietze? Zu Anfang wurde in der Presse die Zahl von 1000 Arbeitsplätzen genannt! Diese Zahl verschwand aber schon bald aus der öffentlichen Diskussion! In der Beschlussvorlage Nr. OV/VII/364 für die Ratsmitglieder wurde eine Schlachtkapazität von 1 Mio. Tieren pro Woche genannt (= 200.000 täglich) und von 1000 Arbeitsplätzen! Das ist unwahr!


Der Investor hat dann die Zahlen der Arbeitsplätze genannt, die zu Beginn der Produktion benötigt werden, nämlich 250–500. Die werden für eine Schlachtkapazität von 1 Mio. pro Woche benötigt! Das ist richtig! Diese Zahlen wurden dann für die Berechnung der erforderlichen (150) Mastställe zugrunde gelegt. Warum haben die Befürworter nicht mehr von 1000 Arbeitsplätzen gesprochen? Das wäre doch aus ihrer Sicht ein starkes Argument für den Schlachthof gewesen!


Weil damit genauso klar geworden wäre: Alle Probleme daraus verdoppeln sich!Für Wietze und in der Region werden statt der bisher angenommenen 150 Mastställe (< 40.000) nun ca. 420 Mastställe benötigt!
Der Grundwasserverbrauch des Schlachthofs beträgt jetzt ca. 3.3 Mio. Liter pro Tag!
Der Verkehr auf der B214 wird nicht mit 100 LKW zusätzlich belastet, sondern mit mindestens 200 LKW pro Tag für An- und Abfahrt, usw.

Alle sollten noch einmal neu nachdenken!

Bürger und Politiker!